Lok 20 der Mansfelder Bergwerksbahn:
Der Unfall auf der Lößnitzgrundbahn und die Generalreparatur und Hauptuntersuchung durch die Lokwerkstatt Oberwiesenthal

Anlässlich des 125jährigen Streckenjubiläums der Lößnitzgrundbahn, welches am 12. und 13. September 2009 an dieser Strecke
gefeiert werden sollte, wurde die Lok 20 der Mansfelder Bergwerksbahn von der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG) für einige Tage angemietet. Leider stand das Fest unter keinem guten Stern. Gegen Mittag ereignete sich ein Unfall mit einem Pkw, der Änderungen im Betriebsablauf erzwang. Einige Stunden später kam es schließlich zwischen Friedewald Hp und Friedewald Bad zu einem Zusammenstoß des von Lok 20 gezogenen P 3634 mit dem aus Moritzburg kommenden P 3011, welchem die 99 789 vorgespannt war. Von den ungefähr 250 Fahrgästen in den beiden Zügen wurden 52 verletzt, vier von ihnen schwer. Ein Teil der Verletzten wurde vor Ort und in den umliegenden Krankenhäusern untersucht und behandelt. Die beteiligten Lokpersonale überstanden den Unfall mit relativ leichten, aber teilweise anhaltenden Blessuren. Das Fest wurde nach dem Unglück abgebrochen. Trotz schlechten Wetters war die Unfallstelle am Sonntag ein beliebtes Ziel für den Nachmittagsspaziergang.
Lok 20, die Lok 99 789 des Gegenzuges sowie fast alle Personenwagen wurden bei dem Unfall stark beschädigt.

Zwei Monate nach dem Unfall begann die Demontage von Lok und Tender und die Reparatur. Während der Tender im Wesentlichen in der Werkstatt der SDG in Marienberg repariert wurde, erfolgte die Reparatur der Lok in der Lokwerkstatt Oberwiesenthal. Der Kessel wurde zur Untersuchung zur MaLoWa Bahnwerkstatt in Benndorf gebracht, welche die Reparatur (die weitgehend einem Neubau gleich kam) aus Kapazitäts- und Kostengründen bei der Firma Interlok in Pila (Polen) ausführen ließ.
Nachdem seit November alle großen Teile wieder in Oberwiesenthal beisammen waren, wurde die Lok bis Anfang April 2011 wieder montiert.
Die Vorbereitungen zur Abnahme der Lok durch den Landesbeauftragten für Eisenbahnaufsicht (LfB) in Anwesenheit von Vertretern des Mansfelder Bergwerksbahn e.V. erfolgte am 21.04.2011, wobei die Lok im Rahmen einer Lastprobefahrt als Vorspannlok vor einem planmäßigen Zugpaar (1002/1003) bis Cranzahl und zurück fuhr.

Eine Reihe markanter Daten ist nachfolgend aufgelistet.
 
Fotos von den Reparaturarbeiten gibt es hier (bis März 2010, April/Mai, Juni, Juli, August/September/Oktober, November, Februar/März 2011, Ende März 2011, April 2011, 21.04.!

Abnahmefahrt als Vorspannlok vor dem Zug 1003 beim Verlassen des Bahnhofs Cranzahl


Indikatordiagramm von Lok 20, aufgenommen am 12.04.2011 durch Mitarbeiter der Lokwerkstatt Oberwiesenthal der SDG.


Lok 20 bei der Lastprobefahrt am 14.04.2011 in Cranzahl.

Eine kurze Übersicht zu den Reparaturarbeiten
  • 12.09.2009: Auf der Lößnitzgrundbahn wird die Lok bei einem schweren Zusammenstoß mit dem auf freier Strecke entgegenkommenden Gegenzug erheblich beschädigt.
  • 13./14.09.2009: Die Strecke wird von den verunfallten Fahrzeugen beräumt, Lok 20 wird in den Bf Radebeul Ost geschleppt.
  • 21.09.2009: Transport der Lok nach Oberwiesenthal mittels Tieflader
  • 23.11.2009: Beginn der ersten Demontagearbeiten
  • 25.11.2009: Offizieller Reparaturbeginn in Anwesenheit von Vertretern der Medien (siehe unten)
  • Transport des Tenders in die BVO-Werkstatt Marienberg
  • 07.12.2009: Die Lok ist in ihre Hauptbaugruppen zerlegt. Der Kessel wird zur MaLoWa Bahnwerkstatt GmbH in Benndorf transportiert.
  • 13.12.2009: Vollvermessung der Radsatzgruppe durch die SDG, danach Reparatur bei LRT in Tharandt
  • 17.12.2009: Der Kessel ist entkleidet, die Rohre sind gezogen.
  • 22.01.2010: Teilvermessung des Kessels
  • 02.02.2010: Transport des Kessels zur Firma INTERLOK in Pila (Polen) zur Reparatur
  • März 2010: Die Reparatur mehrerer wichtiger Einzelteile ist beendet, der Zusammenbau hat begonnen.
  • Mai/Juni 2010: Die Arbeiten am Kessel sind im Gange.
  • 01.07.2010: Der Tender wird nach Oberwiesenthal transportiert.
  • Anfang August 2010: Das Fahrwerk der Lok ist weitgehend fertiggestellt und macht einen hervorragenden Eindruck. Die Reparatur des Kessels in Pila dauert an. Die Röntgenuntersuchung der Schweißnähte Anfang August ergab keine Beanstandungen. Die Wasserdruckprobe ist für Anfang September geplant.
  • 03.09.2010: interne Festigkeitsprobe des Kessels
  • 01.10.2010: offizielle Festigkeitsprobe des Kessels durch das Unternehmen TDT
  • 18./19.10.2010: Vertreter von Mansfelder Bergwerksbahn e.V., SDG, MaLoWa, LfB Sachsen-Anhalt und Interlok weilen in Pila, zur Demonstration der Dichtheit des Kessels wird eine zusätzliche Wasserdruckprobe durchgeführt
  • 02./03.11.2011: Transport des Kessels nach Oberwiesenthal
  • Januar 2011: Montagebeginn
  • 17.03.2011: Rollprobe ohne Stangen
  • 07.04.2011: Warmdruckprobe (erfolgreich) in Anwesenheit des Kesselsachverständigen
  • 08.04.2011: Rollprobe mit Kuppelstangen
  • 12.04.2011: gegen 14 Uhr erste Bewegung aus eigener Kraft, von 15 bis 16 Uhr Indizierfahrten (erfolgreich)
  • 13.04.2011: Leerfahrt (zusammen mit Diesellok) nach Hammerunterwiesenthal
  • 14.04.2011: Lastprobefahrt bis Cranzahl, Rückfahrt wegen eines warmgelaufenen Tenderachslagers im Schlepp ohne Tender
  • 20.04.2011: Werksprobefahrt mit drei Wagen bis Niederschlag und zurück zum Test des reparierten Tenderachslagers
  • 21.04.2011: Abnahme durch den LfB Sachsen-Anhalt
  • 06.05.2011: feierliches Roll-out im Bahnhof Oberwiesenthal



Unser Dank ergeht an die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft, die MaLoWa Bahnwerkstatt und die Firma Interlok in Pila für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Außerdem danken wir dem Traditionsbahn Radebeul e.V., welcher die Reparaturarbeiten an Lok 20 durch eine großzügige Spende unterstützt hat!
               
                Letzte Änderung: 21.04.2011