2006 bis 2010: Abrollen auf Station Kupferkammerhütte

Vermutlich seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es auf dem "Personenbahnhof" Hettstedt-Kupferkammerhütte keine Umfahrungsmöglichkeit mehr. Da hier bis in die 1960er Jahre Loks stationiert waren, wurde offenbar auch keine benötigt. Später konnte man zum Umsetzen - falls überhaupt erforderlich - auf den wenige hundert Meter entfernt liegenden Rangierbahnhof fahren. Mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten im jahre 2006 war des Rangierbahnhof jedoch nicht mehr nutzbar. Damit die Lok eines in Hettstedt angekommenen Zuges an das andere Ende des Zuges gelangen konnte, musste deshalb abgerollt werden. Besser ist der Begriff "ablaufen lassen" der Wagen.
Wie der Vorgang ablief, zeigen die folgenden Fotos. Sie wurden mit verschiedenen Zügen zu teilweise unterschiedlichen Zeiten aufgenommen - an diese Dokumentation dachte zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch niemand.

Zunächst muss der ankommende Zug vor der Weiche des abzweigenden Gleises anhalten.


Die Wagen gegen Wegrollen sichern, Lok abhängen, Weiche aufschließen und umlegen, mit der Lok in den "Stummel" fahren - und natürlich die Weiche wieder auf das gerade Gleis zurückdrehen und dann warten.


So sieht das von der anderen Seite aus. Der Zugführer ist bereits dabei, die Handbremse des ersten Wagens zu lösen.


Die Lok wartet, der Lokführer fotografiert, und der Heizer steht bereits an der Weiche oder hinter einem Busch.


Dank Newton, dem Erfinder der Gravitation, bewegen sich die Wagen abwärts und passieren die Weiche. Der Zugführer reguliert die Geschwindigkeit des Wagenverbandes mit der Handbremse. Das macht ...


... sichtlich Spaß!



Nachdem die Wagen aus der Weiche und "grenzzeichenfrei" sind, bringt der Zugführer sie auf dem abschüssigen Gleis zum Stehen.


Dann fährt die Lok über die Weiche und kann sich nun an das andere Ende des Zuges setzen - fertig.


Nachdem am 18.11,2010, also genau 130 Jahre und 3 Tage nach der Eröffung der Bergwerksbahn, der Bahnhof Kupferkammerhütte vom LfB Sachsen-Anhalt abgenommen wurde, ist dieses Prozedere nun Geschichte.